In unserem Erlanger Bierberg befindet sich ein schier unendliches Gängelabyrinth mit kirchenschiffartigen Kavernen.
Wir laden Sie ins "Innere erlangen".

Führungen: vom April bis September
Regelmäßig: Sonntags 11 Uhr,
Eintritt 6 € inkl. 0,4 Kellergetränk,
Kinder bis 12 Jahre frei

sonst: nach telefonischer Vereinbarung - 09131/22100
Kosten 90 € pauschal, ohne Teilnehmerbeschränkung
Dauer: bis die Glees grollt und kocht sind

Einladung ins Innere des Erlanger Berges
 
Vielen Dank, dass Sie der Einladung gefolgt sind, Ich möchte Ihnen die Nähe nahe bringen und brauche Ihre Hilfe. Nehmen Sie Ihre „Zwetschger" zusammen und seien Sie ganz da. Früher konnten wir mit sieben Sinnen auskommen, heute bedarf es 13. Gedankensinn, Wort-, Gleichgewichts-, Bewegungs-, Ich-, Lebens-, sowie Wärme oder Kältesinn.
Hier stehen wir zwischen der Siechenkapelle und unseren Kellern,
dem Dahinsiechen und dem Trinkgenuß.
Nach dem dreißigjährigen Krieg haben die Menschen Angst vor dem schwarzen Tod. Bier ist ein sauberes Getränk, warum wissen wir noch nicht, dass, sehr wohl. Wir empfehlen unseren Zweijährigen bereits zum Frühstück „trink dein Bier aus"!
Der Bedarf nach einem sauberen ‚Getränk wächst ins Unermessliche.
Am Berge graben sich die Brauer gegenseitig ab. Nicht nur in die Tiefe, in die Breite wird gegraben. Der Ausstoß einer Brauerei hängt von der Lagerkapazität ab. Bier lässt sich nur im Winter brauen, weil das schnelle Kühlen, von der gekochten Maische auf 4 Grad, um die Hefe anstellen zu können, nur mit Eis oder Kaltluft erreicht werden kann.
Ich habe in meiner Kinderzeit die Wertigkeit der Kälte am Körper gespürt: wenn wir den Eisschrank nicht schnell genug wieder geschlossen haben gabs a Watschen. Ja, wir wussten auswendig wo was stand. Die heutigen Hausfrauen, -Männer und –Kinder reisen ihren „Eisschrank" sperrangelweit auf und überlegen dann „was kochen wir denn heute" in dieser Zeit wäre ich bereits grün und blau angelaufen.
Das gebraute Winterbier soll für die durstigen Sommermonate gelagert werden. Im Innern des Berges stellt sich die mittlere Jahrestemperatur konstant ein, ein Phänomen an dem auch ich erkenne, dass eins doch die größte Zahl ist, weil alles Eins ist.
Wir haben drei Möglichkeiten vorbereitet um eine sinnhafte Erfahrung zu ermöglichen.
Schauen wir uns zunächst den kleinsten der 16 Keller am Berg an!
Dann werden wir uns der Anlage insgesamt bewusst…,
um zum Ende in den größten Keller zu gehen.
Ab sofort dauert die Führung solange bis die Klöße gerollt und gekocht sind. Auf geht’s, bitte haut drauf. Ein verkochtes Kloß…- schade wär’s!
An der Kreuzung angelangt

Wer größer ist als ich, muß hier den Kopf einziehen, wer des Lesens mächtig, bitte hierherum

„In den letzten 28 Jahren habe ich 25 Jahre Kellersaniert, und dabei mein Trauma aufgearbeitet. –Ich konnte exakt meine Größe einstellen… Als Kind musste ich während der Bergkirchweih an der Schenke stehen und warten bis ein Wein bestellt wurde. Nur ein Kind war in der Lage, durch die, den Gang verstellenden Fässer, an das Weinverließ meines Vaters zu gelangen. Beim Hinaustragen habe ich mir jeweils gedacht: wenn ich mal groß bin, will ich hier aufrecht durch!"
Heute ist es soweit, ich konnte meine Größe einstellen, weil die Böden, das heißt im Fachjargon die Sohle, aufgestiegen war
Der Keuper oder Burgsandstein ist mit Lehmschichten durchzogen, die mit Wasser aufquellen, ähnlich einem Hefeteig, nur dauert es nicht eine Nacht, sondern 300 Jahre und die Böden liegen auf Brusthöhe.
Dabei ließen die Erlanger Brauer alles richtig machen, nur den Bodendruck im Berg haben sie unterschätzt. Nach Oben und den Seiten ist alles verstärkt worden. Am Boden sind nur Sandstein oder Kalkplatten gelegt.
Der Bergmann weiß nach der Eierform zu arbeiten, weil sie die stabilste Form ist. So war es mein Trachten den gequollenen Lehm hinaus zu schaufeln, den „Eierboden" nach unten auszugraben und die Böden zu stabilisieren.
Ich wollte für die Künftigen vorarbeiten, hab jedoch nicht bedacht, dass meine Kinder bereits 10 cm größer sind als ich.
Hier an dieser Stelle plagten mich die größten Zweifel. Dort stürzen 70 cbm Decke herab, -Demut bekommt eine tiefe Bedeutung, war ich doch einige Zeit vorher noch darunter am Schaufeln. Was mach ich hier drinnen, ein Weg ist begonnen, wo befindet sich mein Ziel? Hatte ich nicht eben noch die Mondlandung mit meinem Vater mitten in der Nacht im Fernsehen gekuckt und geglaubt, der Mensch kann alles, wenn er nur will? War da nicht kurze Zeit später der Bericht vom Club of Rom , der die Grenzen des Wachstums aufzeigte…..
Mit buchstäblich letzter Kraft entdecke ich diesen Stein, vermag die erste Zeile zu lesen
Dies ist der erste Felsenkeller in diesen Berg
Ich spuck in die Hände und schaufle weiter. Stolz stellt sich ein, die Fragen sind wie weggeblasen, doch was steht weiter geschrieben? Meine Neugier ist geweckt. Nicht nur graben und sanieren bestimmen meine Wintertage, mich zieht es ins Stadtarchiv, auch nach Nürnberg und Bamberg. Nach fünf Jahren Wollen findet sich der Schlüssel
Heinrich Windisch, ein Vorfahre berühmter Brauer, nun wird alles klar:
Welchen Heinrich Windisch Mälser und Biersider vor dem obern Thor hat hauen lassen den IV November 1686
1686, was mögen die Erlanger spekuliert haben: hat der Heiner was zu verstecken? Nein, der kluge Mann denkt an den ersten Export: von der Altstadt in die für die Hugenotten eigens angelegte Neustadt. Eine Graberei beginnt. In fünf Jahren sind weitere sieben Keller angelegt.
Wie zu Goldgräberszeiten ergibt sich ein wahrer „Bierrausch", wo man sich dabei „unter Tage" trifft, wird eine dicke Mauer errichtet, die jeweiligen Grenzen sind abgegraben.
Die Zweifel wurden mit jedem Tag kleiner. Täglich kam ich ein Stückchen weiter nicht nur in den Kellergängen, zwei zentrale Wichtigkeiten kristallisierten sich in der immer schneller werdenden globalen Welt.
1. Das nachhaltige Wirtschaften und
2. soziale Gerechtigkeit.
Gerade hier im Keller, in dessen Innern sich die mittlere Jahrestemperatur mit exakt 8 Grad Celsius, konstant einstellt, wird mir klar wie nahe für mich Energieeinsparungen liegen. Mit dem natürlich kühlen Lager, Sonnenkollektoren, Wasserlosen Urinalen, Regenwassernutzung, regionaler Einkauf, kluge Logistik und nicht zuletzt dem von uns eingeführten Maßkrugpfand schaffen wir es pro verkauften Liter Bier von 15 Kwh Primärenergie auf 9 Kwh bei beständig sinkenden Bierumsätzen zu sparen. Etwas mehr als die Hälfte ist mein erklärtes Ziel. Mit energiereichen Investitionen lässt es sich nicht erreichen, sondern mit Kommunikation. Beharrlich und geduldig werden, selbst den kurzfristigen, Mitarbeitern das Ziel bewusst. Sätze wie „von dir habe ich das Wassersparen gelernt" lassen hoffen.
Mögen den 247 Reichen dieser Erde, die 47% unser Aller Ressourcen beherrschen ihre Macht keinen Spaß mehr bereiten angesichts der schlechten Atemluft, der vergifteten Gewässer und des geschundenen Bodens.
Bevor wir durch den kleinsten, aber ersten Keller am Berg gehen bitte ich Sie, der Empfehlung meines Großvaters zu folgen. Ich war acht Jahre als er mich zu sich rief und mit erhabener, Strenge riet: Stehlen darfst nicht, aber mit den Augen kannst alles mitnehmen. Bitte lassen Sie meine Leichen im Keller und tragen Sie mit den Augen was Sie mitnehmen können.




Am Käselager vorbei
Ich bin Mitglied im Allgäuer Alpsennverein und treffe mich jährlich mit den Alpsennern. Die größte Freude ist im Frühjahr meinen Käse zusammenzukaufen und ihn hier bei optimalen Verhältnissen auf den Punkt reifen zu lassen. Streuen Sie Pfeffer und Salz auf alle Käse dieser Welt, nicht auf meinen. Er hat durch großen Mühen und ständigem Waschen eine wunder bare Eigenwürze bekommen.
Biercontainer
Haben wir vier im „Hause". Das Bier wird so rechtzeitig angeliefert, das es zur Ruhe kommt und die ideale, natürlich erzeugte Trinktemperatur annehmen kann.
Draußen an der Linde
Wir sind so stolz auf unser Bier, haben wir doch im achtzehnten Jahrhundert alle mit ihm zu tun, ob Wagner Schlosser, Schmied oder Maurer, Bier beherrscht unser Leben. Kein Wunder, dass unser Berg mehr ist als ein Hügel in dessen Bauch die Güldenste Ware lagert. Er entwickelt sich zum Ort an dem im Sommer die Feierabendsmaß genossen, geplaudert und sinniert wird.
Vornehmlich die Studenten der jungen Universität tragen den Ruf des Erlanger Bieres in ihre Heimat. Warum konnten Sie angesichts des heimischen Plempels die Erlanger Studentenjahre nicht verlängern?
Wir Erlanger lehnen uns zurück und harren gelassen der großen Aufträge, die uns im beginnenden Frühsommer, wenn „aller Welt" das eigene Bier mangels guter Lager sauer geworden, unseren Erfolg bescheren. Die Bierprobe naht, der wichtigste Tag in unserem mit unter entbehrungsreichen Leben. Wir müssen alle 16 Biere probieren… Ach lassen Sie uns den Glanz vergangener Tage nachspüren – die Damen streifen sich den weites bereiften Rock über, zurren sich fest herauf, nehmen Ihren Kopfschmuck auf und ein kleines Sonnenschirmchen schräg nach Hinten über die Schulter welches beim Flanieren leicht hin und her gedreht werden soll. Die Herren legen den Schwalbenschwanz an, der Zylinder auf das Haupt, die von den Hugenotten produzierten
Glacehandschuhe werden angelegt, der elfenbeinbeknaufte Gehstock zur Hand der beim Schlendern seinen saloppen Einsatz führt. Und so schreiten wir unsere Barocke Anlage nicht nur einmal ab, damit wir jeden der dreitausend, die sich beim Bier auf den Kellern nieder gelassen erblicken und erkennen wie selbige mit ihrem Stolz umgehen, und damit auch wir ja nicht übersehen werden. Nach 16 Bieren ist natürlich am nächsten Tag Ruhe angesagt. Die Kirchweih beginnt erst am folgenden Samstag. Ach wie schön könnte es noch heute sein, hätte nicht dieser Kerl Karl Linde 1876 die Kältemaschine erfunden und damit unser Bierimperium zum einstürzen gebracht. Hatte uns doch die Eisenbahn mit ihren Länderverbindungen solche Pfründe geöffnet.
Einfach genial diese Anlage. Die gebrochenen Sandsteine werden behauen und gleich zum Terrassenbau verwand.
Wir Erlanger sind alle Physiker, wir wissen warum eine schwere Luft kalt ist ganz im Gegensatz zu unseren Forchheimern, die sind so blöd und graben doch Ihre Keller in die Tiefe. Bei uns geht man in den Keller hinauf. Alles was ausläuft wird vom Bergwasser herausgespühlt, die Fische in der Schwabach merken: ah ein Faß ausgelaufen, die Keller bleiben sauber und rein. Und unsere Lüftung funktioniert. Wenn im Innern 8°C herrscht und draußen im Sommer hohe Temperaturen, fällt die immer kälter werdende Luft über die Lüftungsschächte in die Keller und entweicht mit 8° aus den Kellertüren. Im Winter steigt die wärmer und leichter werdende Luft über die Türen in den Berg hinein und mit 8° die Lüftungsschächte hinauf. In Forchheim kann man die Keller nur mit zugehaltener Nase passieren. Es stinkt, heute noch, alles läuft hinten zusammen und die Lüftung funktioniert nicht weil sie sich einen Luftsyphon eingebaut haben. Die armen Forchheimer.
Naja der Zwist steckt tief, mir wurde er bewusst, als ich vor Jahren von meinen zwei Maßen auf dem Anna Fest zurück kam und mein Radl völlig verschnitten vorfand. Ich musste es heim tragen. Den ganzen Weg hab ich über die Forchheimer nachgedacht, gehörten sie nicht zur geistlichen Welt nach Bamberg, und wir zur weltlichen nach Nürnberg? Und wie hat es zwischen den Welten gekracht? Sippen und Sippenhaft vielen mir ein, doch erst nach Jahren war mir klar: ich muß da was tun! Ich ging wieder aufs Annafest. Mein Radl versteckte ich diesmal tiefer im Wald, um es nach abermals zwei Maßen nicht mehr zu finden. Es kam ein Auto durch den Kellerwald und ich dachte: der muß mir helfen. Kannst Du nicht noch einmal zurück und mir langsam in den Wald leuchten, ich find mein ‚Rad nicht mehr. Er leuchtete die Stelle nochmals ab, ich seh mein Rad, geh hin zu ihn und frag, "bist Du Forchheimer"?, Ja wieso? Ich :Gott seis gedankt, jetzt bin ich erlöst, jetzt kann ich euch Forchheimern verzeihen. Und mir war klar wenn die Krawallmacher in dieser Welt, aus welchem Lager oder gleich welcher Sippe sie auch entstammten, nur mal über zwei Maßen säßen, sie könnten verzeihen, und Unheil wenden.
Ich bitte euch nun so „geistlich" wie ihr könnt in die tiefste Tiefe dieses Berges. Doch wie geht man denn geistlich in einen Berg? Immer wenn es gilt was zu wissen fragt man entweder ein Kind, es ist noch sehr dicht an dem Allen Einen, oder einen Alten, er ist schon wieder dicht an dem Einen Allen, und so fragte ich einst eine Kindergartengruppe ob niemand wisse wie man geistlich dort hinein geht. Einer wusste es und machte es vor:
Eine geistliche Haltung ist bestimmt, fest und staunend.
Wie gelingt es uns den Kopf 15 Minuten frei zu halten:
- geistlich und staunend.
Wir sind, von visuellen (Kerzenschein) und akustischen (Filmmusik von Chocola, die bis zur Beschwerde eines Nachbarn unsere Abschlußmusik am Ende eines Biergartentages war) Eindrücken begleitet, im Großen Saal angelangt.
Hier ist ja gar nichts!
Alles kann Nichts und Nichts Alles sein
.Zum Glück,
sonst hätte ein Biergärtner wie ich vielleicht ein Museum eingerichtet, dessen Ausstellungsstücke hier vom Pilz zerfressen wären, oder eine geistliche Bahn gebaut, die abgelenktes Entzücken hervorriefe.
Jeder entscheide für sich. Dabei bitte ich Sie durch einen dunklen Gang. Keine Sorge, niemand fällt durch, die Böden haben keine Löcher. Ersetzen Sie den Sehsinn mit all Ihren Sinnen, empfinden Sie wie eine Fledermaus und gelangen Sie ans spärliche Licht einer Kerze am Ende des Ganges, um in einen Raum zu gelangen, der 10 mal so groß wie dieser ist und so wunderbar klingt, dass wir dort zusammen von A nach O singen müssen. Die erste Gelegenheit es zu empfinden. Wenn jemand nach vorne nichts mehr sieht, drehe er sich um. Zukunft braucht Herkunft.
Im Singsaal angekommen
Also von A nach O in einem durch, über die Blüte, dem Übergang hinweg, und wer genug Luft dabei hat, der kann ein sauberes Ende hinlegen. Danach sind wir –wie im richtigen Leben- mucksmäuschen still.

Wem es jetzt nicht gekommen ist, dem kann ich noch zweimal helfen und dann nimmer mehr. Dem muß ich jetzt ein Bildnis zeigen, eine kleine Figur unseres Erlanger Künstlers Heinrich Kirchner. Angesichts der großen Figuren 57 Meter über uns im Burgberggarten, steht diese „Kleine Begegnung" nicht einfach so im Keller rum, sondern an einer Stelle an der sich drei Parallelgänge mit Drei weiteren Kreuzen und ein Zentrum bilden um das wir einmal herum gehen können. Da es immer nicht schlecht ist „um was herum zu gehen", lassen Sie uns einmal herumgehen. Vielleicht gelingt es mir mit einer Geschichte aus dem Leben Heinrich Kirchners die Nähe nahe zu bringen. Er hatte diesen Anspruch zweifelsohne.
Genau 57 Meter über uns steht der Abraham, eine mannshohe Gestalt, in der einen Hand seinen Stab, mit der Anderen seine Leute auffordernd ihn zu folgen. Abraham steht auf drei Füßen. Unser früherer Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg , - auf dessen betreiben die Aufstellung der Kirchnerplastiken hier im Burgberggarten wegen seiner Kenntnis um die gesteigerte Lebensqualität in einer Gemeinde wo Kunst öffentlich zugänglich ist, zurück geht, -steht eines Tages mit Heinrich Kirchner vor diesem Abraham und möchte es gerne wissen: Herr Kirchner wieso drei Füße? … Weil sie auf zweien immer wieder umgefallen ist!
Wenn wir uns etwas mehr mit unserem in der Nähe liegenden Können, und etwas weniger mit dem in der Ferne liegenden Wollen auseinander setzten, wäre die Zufriedenheit wohl leichter zu bekommen.
Jetzt muß jeder den Ausgang selbst finden. Etwas schwer, weil die Organisation Toth aus dem Dritten Reich hier einen Fuchsbau machte in dem Rüstung produziert werden sollte. Sie haben die ehernen Grenzen der Brauer einfach durchbrochen und so müssen sie hinunter, dann aber wieder rauf, um wieder hinunter und noch einmal herauf usw. Ich hatte das einmal mit einer Gruppe getan und mir eine dicke Beschwerde eingehandelt. Herr Engelhardt, was Sie hier mit mir machten, zweieinhalb Stunden bin ich umhergeirrt. Die Batterie der Taschenlampe wurde leer, das Gas im Feuerzeug war verbrannt und mein Foto blitzte nicht mehr. Das war unverschämt. Zum Glück viel mir die rechte Antwort ein: wahrscheinlich hätten Sie nur noch eine Minute länger gebraucht um es zu haben.
Kommen Sie lieber mit mir mit, es wäre ja auch schade um die Klöße.
Beim Herzen angelangt

Hier an dieser letzten Stelle im Keller muß ich Ihnen auch mein Herz ein wenig öffnen.
Es ist klar dass sojemand wie ich, der früh die Kälte im Eisschrank schätzen lernte und heute die Kellerkühlräume sperrangelweit offen stehen lassen kann, sich für den Erhalt einsetzt wo er nur kann. Darüber hinaus liebe ich die Keller weil ich meinen Ort fand. Meine Eltern betrieben einst eine kleine Wirtschaft mit 36 Sitzplätzen. Die Mutter kochte und der Vater baute durch seine loyale Art eine wunderbare Beziehung zu seinen Gästen auf, die ihn dann auch halfen am Berg Fuß zu fassen. Der Keller füllte sich mit den Jahren und wenn er dann am Pfingstsonntag voll war, honorierte mein Vater seine Gäste. Sind sie zufrieden, ist Alles in Ordnung, fehlt es an was, kann ich etwas für Sie tun. Ich dachte als er verstorben mit meinen damals 22 Jahren, mir wird schon nichts passieren wenn ich es so mache wie der Vater. Am Pfingstsonntag 1976 ging ich durch die Reihen, ist alles in Ordnung, fehlt es hier an nichts? ..bis ich an der dritten Bank auf der ersten Terrasse hinter dem Kitzmannskellerhäuschen vorbeikam. Ich war bereits vorbei und musste gerade noch hören wie der eine zum Andern sagt: „schau hie der Lackaff". Vorbei wars mit meinen Honneurs, ich stürzte ich den Keller ins hinterste Eck, dem Weinverließ, mir waren sämtliche Böden durchgebrochen und ich weinte wie ein Schlosshund. Fast plötzlich beruhigte ich mich wieder, nahm den an der Wand stehenden Besen und fing an zu kehren, und dabei Fühlte ich, wie ich wieder in mich kam. Seit dieser Zeit Wünsche ich einem Jeden dass er etwas hat, einen Raum, einen Duft, einen Klang einen Baum, was marginäres oder etwas immarginäres, etwas braucht ein Jeder das ihn wieder in sich bringt wenn er außer sich geraten; denn drin ist tausendmal schöner als draußen.
Jetzt gehen wir wieder raus, und draußen vor der Tür, hab ich noch eine kleine Bitte.
Wir verlassen die kühlen Gänge ans Licht mit der Eingangsmusik
Ich kann Sie nicht einfach so weiter machen lassen als wäre nichts geschehen. Ich muß Ihnen, um vielleicht doch noch meinem Anspruch die Nähe Nahe zu bringen gerecht zu werden, den Lebensspruch meiner Mutter mit auf den Weg geben.
Stell dich nicht so an:
Auf der Welt musst sein,
Was machst ist wurscht,
machs gern,
machen musst Du es eh.
Der will heißen:
Jeder hat die Eintrittskarte in dieses Menschendasein gelöst und hat dadurch sein Schicksal zu erfüllen.
Auf das Was kommt es nicht an sondern auf das Wie.
Immer wenn die Liebe, die Hingabe an eine Aufgabe, zu spüren ist spielt Energie keine Rolle mehr.
Bei Allem ist Sein mehr den Tun, wie aber kann der Sein, der noch nichts mit Liebe getan hat.
Bitte geben Sie mir die Hände, und ich möchte gern alle Hände spüren. Wie herrlich ist es eine warme Hand in der Hand zu haben.
Ich möchte mich ganz besonders für das entstandene Ei bedanken, ist es doch für den Bergmann das Zeichen von Stabilität.
Bevor wir uns jetzt ein Bier einschenken lassen muß ich schnell zum Schluß noch zeigen, wie mein ältester Gast, der Weißen Hans sein Bier trinkt. Er bestellt sich seine Maß, setzt sich an seinen Baum, packt sein Brot aus um es in streifen zu schneiden, und wenn nun alles gerichtet ist, setzt er so an: Ich mach nun vor, wie er den schwer gefüllten Krug mit zitternder Hand bedächtig an den mit der Zunge des öfteren benetzten Mund führt, dabei die Augen schließt um sie beim Absetzten nach dem ersten Schluck gehen Himmel gerichtet wieder zuöffnen und aus seinem Mund ein lang gezogenes Aaaah der Bekömmlichkeit ausströmt.
Wer so sein Bier trinkt wie der Weissen Hans und dabei die Nähe immer noch nicht Nahe spürt, für den ist Hopfen und Malz verloren.

3. September 2005
Friedrich Engelhardt

3D-Videos vom Henningerkeller
2D-Kellerplan vom Henningerkeller

 
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